Aufstieg des VfL Osnabrück in die 2. Bundesliga

Freitag, 04.06.2007

  • Aufstieg des VfL Osnabrück

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    Freudentränen an der Hase –
    Stoßseufzer an der Elbe

    Das Fernduell zwischen VfL Osnabrück und 1. FC Magdeburg endet mit einem Happyend für den niedersächsischen Traditionsklub

    „Durch die Hölle in den siebten Himmel“, titelte die Neue Osnabrücker Zeitung nach dem dramatischen Saisonfinale in der Regionalliga Nord. Der VfL Osnabrück hatte die Glücksgöttin Fortuna mit im Bunde. Nur so gelang es dem Team von Claus-Dieter Wollitz in den letzten zehn Minuten einen 0:1-Rückstand gegen Rot-Weiß Ahlen in einen 2:1-Sieg umzuwandeln und letztlich doch noch an dem FC Magdeburg vorbeizuziehen und in die 2. Bundesliga aufzusteigen. Freudentränen an der Hase und Stoßseufzer an der Elbe. Die Magdeburger kamen über ein 1:1 gegen den bereits feststehenden Aufsteiger FC St. Pauli nicht hinaus. Solche spannenden Geschichten schreibt nur der Fußball. Auf der Stehtribüne in der ausverkauften Osnatelarena litt NFV-Redakteur Reiner Kramer mit, der seit mehr als 30 Jahren dem VfL Osnabrück sehr nahe steht und seit dieser Zeit schon mehrfach durch ein Wellental der Gefühle gewandert ist. Die Dramaturgie eines denkwürdigen Tages für die Fußballszene in Osnabrück.

    Es gibt Tage, die vergesse ich im Leben nicht. Dieser 1. Juni 2007 wird dazugehören. Das Kribbeln beginnt schon am frühen Morgen. Die Ausgangslage lässt nichts Gutes vermuten. Bei einem Sieg des 1. FC Magdeburg gegen die Kultkicker vom Hamburger Kiez können die Lila-Weißen machen, was sie wollen: Ein Aufstieg in die 2. Bundesliga ist dann auch bei einem klaren Sieg gegen Rot-Weiß Ahlen nicht mehr möglich. Aber wer sich noch ein wenig Hoffnung im Herzen bewahrt hat, pilgert zur legendären Bremer Brücke, um der Mannschaft den Rücken zu stärken.

    Doch schon nach elf Minuten der erste Dämpfer. Der Gast aus Ostwestfalen geht durch einen haarsträubenden Abspielfehler von Marko Tredup mit 1:0 in Führung. Ab diesem Zeitpunkt gerate ich in ein Gefühlschaos. Zwischen Himmelhoch jauchzend und zu Torde betrübt ist bei mir nur ein schmaler Grat. Die meisten Fans im Stadion lassen sich durch den Rückstand nicht so schnell aus der Fassung bringen. Sie unterstützten den VfL weiterhin mit lautstarken Anfeuerungsrufen. So auch mein Nachbar und Freund Manfred, der sich darüber beschwert, dass ich plötzlich so still werde und meine Arme ineinander verschränke und er dadurch ein gewisses Desinteresse am Spielgeschehen bei mir festzustellen glaubt.

    Die erste Hälfte lässt sich in der Fußballersprache eigentlich nur mit dem Wort Grottenkick beschreiben. Da sind sich fast alle der 17600 Zuschauer in der ausverkauften osnatel ARENA einig. Jetzt hilft nur noch kämpfen und schreien, wie es in einer Textpassage der Vereinshymne so schön heißt. Die Mannschaft hat es verstanden. Fortan stimmt zumindest die kämpferische Einstellung. Die frohe Kunde von der 1:0-Führung des FC St. Pauli setzt zudem hoffentlich noch mal neue Kräfte frei. Plötzlich aber steht der Wuppertaler SV nach der Führung gegen Kickers Emden auf dem 2. Aufstiegsplatz. Endlich gibt es aber auch einige Torchancen für den VfL. Der Lattenkracher von Daniel Chitsulo in der 70. Minuten ist das richtige Signal zur Schlussoffensive.

    Er scheint auch in meiner Gefühlswelt einen positiven Eindruck hinterlassen zu haben. Doch nur ganz kurz . Denn die Nachricht vom Ausgleichstreffer in Magdeburg reißt mich wieder stark nach unten. Jetzt müssen wieder zwei Tore her. Und es sind nur noch etwas mehr als 15 Minuten zu spielen. Wenn sich bei mir Ärger und Hoffnungslosigkeit einstellen, leide ich zwar, aber dokumentiere das nicht mit Pfeifen. Nur meine ummittelbaren Nachbarn auf der Tribüne bekommen meine Nörgeleien mit.

    Wieder schlägt meine Stimmung in „leichte Euphorie“ um, als Thomas Cichon in der 81. Minute nach einer Ecke per Kopfball das 1:1 köpft. Die „Bremer Brücke“ bebt. Fünf Minuten später das von mir nicht mehr für mögliche 2:1 durch Thomas Reichenberger. Jetzt scheint das ehrwürdige Stadion an der Bremer Brücke restlos aus den Fugen zu geraten. Reicht dieser Siegtreffer zum Aufstieg? Als der souveräne Bundesligareferee Peter Gagelmann aus Bremen das Spiel abpfeift, bestürmen Tausende VfL-Fans den Rasen. Ich erfahre jetzt das erste Mal in meinem Leben, wie endlos lange fünf Minuten zwischen Hoffen und Bangen spürbar dauern können.

    Das Spiel in Magdeburg will einfach nicht enden. Dann schließlich doch die erlösende Nachricht vom 1:1-Endstand. Der VfL Osnabrück steigt zum vierten Mal in die 2. Bundesliga auf. Eine Stadt, die so eng mit dem VfL verbunden ist, gerät in einen kollektiven Freudentaumel.

    Szenenwechsel. 10 000 Osnabrücker Fußballfans pilgern zum Marktplatz und feiern stundenlang mit der Mannschaft den kaum noch für möglich gehaltenen Aufstieg. „Ein Stück vom Himmel“, wie ein Lied von Herbert Grönemeyer auf seiner neuen CD heißt, scheint sich vor dem Osnabrücker Rathaus niederzulassen. Ein Happyend nach einem 90minütigen Ritt durch die Hölle. Für einen emotionalen Menschen wie mich kostet so ein Ereignis einige Nerven.

    Aber für den VfL lohnt es sich allemal, sich diesem Stress zu unterziehen. Erst recht dann, wenn er zu einem so glücklichen Ende führt. In meiner unendlichen Freude vergesse ich natürlich nicht die Spieler des FC St. Pauli: „Danke für Euren tollen und fairen Einsatz.“ Die Vorfreude auf die 2. Liga mit Topteams wie 1. FC Köln, Borussia Mönchengladbach, 1. FC Kaiserslautern und 1860 München, lässt mein VfL-Herz nur noch höher schlagen………

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