Prof. Pilz zieht positive Bilanz des Fanturniers

Donnerstag, 19.07.2007

  • Prof. Pilz zieht positive Bilanz des Fanturniers

    Die Initiatoren des Fanturniers im Interview mit radio ffn kurz vor der Siegerehrung in der AWD-Arena: Von links: Mathias Bartels (radio ffn), Andreas Zimmermann (Fanbeauftragter VfL Osnabrück), Walter Swiderke (Fanprojekt Hannover), Karsten König (Fanprojekt Eintracht Braunschweig), Prof. Pilz. (Leibniz Universität Hannover) sowie Peter-Michael Zernechel (radio ffn). Es fehlte leider Carsten Ihle vom Fanprojekt VfL Wolfsburg.

    Prof. Pilz, Fanforscher und (Mit-)Initiator des Fanturniers im Rahmen des Sparkassen-Supercup äußert sich im Interview mit Reiner Kramer (NFV) zur Zusammenkunft der Fans der vier Clubs, zum Wegbleiben bestimmter Fangruppen sowie zur möglichen Verwendung der Erlöse und einer Fortsetzung des Fanturniers.

    Herr Professor Pilz, der 1. Sparkassen-Supercup ist von allen Beteiligten positiv beurteilt worden. Können Sie - was das Fanturnier anbetrifft - dieses Loblied mit anstimmen?

    Uneingeschränkt ja. Sicherlich hätte das Eine oder Andere noch besser sein können, aber wenn wir uns vor Augen führen, mit welch´ gemischten Gefühlen wir in dieses Turnier gegangen sind, dann kann das Urteil nur sein, es hat hervorragend geklappt und es war ein harmonisches kleines Fanfest. Vor allem unsere Idee durch die Mischung der Mannschaften Gespräche zwischen Fans, Polizisten und Ordnern zu initiieren hat gegriffen. Hierauf können und müssen wir aufbauen und vor allem dieses Ziel in Zukunft noch mehr kommunizieren. Hier sehe ich eine große Chance bestehende Feindbilder und Animositäten abzubauen und einen wichtigen Beitrag zur Gewaltprävention zu leisten.

    Im Vorfeld gab es von einigen Fangruppen der Vereine Absagen. Wer und warum glänzte durch Abwesenheit?

    Leider haben sich bereits im Vorfeld die ULTRAS aller vier Vereine vom Sparkassen Supercup und vom Fanturnier distanziert und zum Teil sogar zur gleichen Zeit in Braunschweig und Osnabrück eigene Turniere organisiert unter anderem, weil diese Veranstaltung eine reine Kommerzveranstaltung sei. Schade, hier haben die Ultras eine große Chance vertan mit denen ins Gespräch zu kommen, denen sie oft Willkür und Missachtung ihrer Wünsche und Forderungen vorwerfen. Es ist einfach immer nur zu fordern, ich denke es wäre an der Zeit, dass die Ultras auch erkennten, dass sie auch ein Stück mit in der Verantwortung beim Abbau von Feindbildern stehen. Wer Gesprächsangebote ablehnt, wer erst gar nicht kommt, darf sich hinterher nicht beschweren, dass seine Interessen zu wenig berücksichtigt werden. Im Übrigen ist gerade dieser Sparkassen-Supercup ein lebendiges Beispiel dafür, dass es nicht nur um Kommerz im Profifußball geht. Denken wir doch nur daran, dass der Überschuss dieser Veranstaltung nicht in die Taschen der Profivereine fließt, sondern in deren Fanprojekt- und Jugendarbeit. Aber wir sollten nicht darüber klagen, dass nur wenige Ultras erschienen sind, sondern uns darüber freuen, dass dennoch so viele Fans mit gemacht haben und auch den Weg in die herrliche AWD-Arena gefunden haben. So besehen sind die Fans, die dieses Turnier aus ideologischen Gründen meiden Gewinner und Verlierer zugleich. Gewinner, weil dennoch so viele Fans den Weg ins Stadion gefunden haben und damit einen beträchtlichen Zuschuss für die Fanprojekt- und Jugendarbeit der vier teilnehmenden Vereine und des Verbandes sicherstellen. Verlierer, weil sie durch ihr Fernbleiben einen noch höheren Zuschuss zur Jugend- und Fanprojektarbeit, der ja letztendlich gerade ihnen zu Gute kommen wird, verhindert haben. Vielleicht können wir alle gemeinsam hier noch ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten.

    Die Erlöse aus dem Sparkassen-Supercup fließen zu 50 Prozent in die Fanprojekte der vier Vereine. Was geschieht mit dem Geld und würden Sie eine Fortsetzung des Fanturniers im Rahmen des Sparkassen-Supercup begrüßen?

    Das ist eine wunderbare Sache und dafür gilt den Veranstaltern unser aller Dank. Fanbetreuer und Fanprojektmitarbeiter der vier teilnehmenden Vereine haben u.a. vor, einen Teil der zu erwartenden Zuwendungen für die Anschaffung eines gemeinsamen Soccercourts zu verwenden, der dann niedersachsenweit für die Fanarbeit eingesetzt werden soll, quasi als symbolisches Zeichen dass – bei aller Leidenschaft für den eigenen Verein, bei aller Gegnerschaft - wir immer noch alle Fans des Fußballs sind und uns mit Respekt und Anerkennung begegnen. Ich hoffe und wünsche sehr, dass das Fanturnier im Rahmen des Sparkassen-Supercup Niedersachsen eine Fortsetzung erfährt. Dies war jedenfalls ein erster verheißungsvoller Schritt, den wir behutsam fortsetzen sollten, vielleicht im nächsten Jahr sogar mit den Ultras.

    Das Interview führte Reiner Kramer (NFV).

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